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Memetik und Ökonomie

Wie die Meme Märkte und Organisationen bestimmen

Im Marketing scheint ein neuer Trend aufzukommen. Werbung wird "viral", man spricht von einem "buzz" oder einem mystischen "word-of-mouth"-Geist, der durch seine exponentielle Vermehrung Umsatzwunder bewirken kann. Andere Unternehmen werden hingegen durch Skandale wie "Lipobay" oder "Brent Spar" in den Ruin getrieben.

Was als kleines Marketingtool in Erscheinung tritt, ist ein Indiz für ein grundlegendes Problem der Ökonomie. Die Normalerwartung unterstellt, dass die Information vom Menschen aktiv durch Kommunikation übertragen wird. Im Gegensatz dazu sieht die Theorie der Meme die Welt anders. Meme sind Informationseinheiten, die sich selbst verbreiten. Sie bringen den Menschen durch ihre semantische Konstruktion dazu, ein Abbild ihrer selbst in einem anderen Gehirn zu schaffen.

Die zentrale Aussage dieser anormalen Sichtweise ist: Kultur, Wissenschaft und Technik gibt es zunächst einmal nur, weil sich bestimmte Ideen reproduzieren wollen. All diese Errungenschaften sind zunächst einmal nur für sich selber gut, der Mensch ist dabei nichts weiter als ein Medium, in dem diese Ideen parasitär leben können. Die Meme haben für die Wirtschaftswissenschaften erhebliche theoretische Konsequenzen. Meme wollen sich vermehren und handeln dabei genauso wie Lebewesen, die mikroökonomisch ihren Nutzen maximieren.

Die Ökonomie macht demnach einen Fehler, wenn sie Transaktionen ausschließlich durch die Interessen der Transaktionspartner beschreibt. Dies führt dazu, dass irrationales Verhalten zwar beobachtet wird, aber nicht zufriedenstellend erklärt werden kann. Um dieses Problem zu lösen, muss der Methodologische Individualismus aufgegeben werden. Das ausgetauschte Gut, die Ideen und die Rituale bestimmen als Stakeholder wann, wie und wo eine Transaktion stattfindet, ein Markt oder ein Unternehmen entsteht.

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